»Ich habe den Kollegen bei Suhrkamp sofort geschrieben und nach dem Roman gefragt«

Noch bevor INDIGO in Deutschland erschienen war, hat Gergana Fyrkova die Lizenz an dem Roman für ihren bulgarischen Verlag Funtasy erworben. Ein Gespräch über die schnelle Entscheidung, den aktuellen Stand der Übersetzung und die Zukunft von INDIGO in Bulgarien.

Frau Fyrkova, Sie waren die erste ausländische Verlegerin, die sich für Ihren Verlag Funtasy die Rechte an INDIGO gesichert hat. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Ich habe von INDIGO sehr früh erfahren, als ich im Europäischen Übersetzerkollegium gerade an der Übersetzung des Erzählbandes von Clemens J. Setz (»Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes«) saß. Ich war wirklich begeistert, dass ich nach langem Suchen einen so guten Autor gefunden hatte. Seine Erzählungen haben mich tief beeindruckt durch die präzise Beobachtungen und Darstellung von Menschen, die ganz alltäglich aussehen, doch unter dieser Oberfläche tiefe Verletzungen und ungeheuere Dramatik tragen. Clemens J. Setz ist jemand, der weiß wie man das heutige Lesepublikum anspricht. Und das betrifft nicht nur die Form, sondern auch den Inhalt, er hat ein brisantes Thema gewählt. Das Indigo-Syndrom ist im Moment ein viel besprochenes Thema in Bulgarien. Und der Roman verbindet eine spannende Handlung mit einem gewissen Dokumentarismus. Als ich fast fertig mit der Übersetzung seiner Erzählungen war, kam die Nachricht von INDIGO. Ich habe den Kollegen bei Suhrkamp sofort geschrieben und nach dem Roman gefragt.

Sie haben die Rechte eingekauft, noch bevor das Buch überhaupt in Deutschland erschienen ist, das ist schon eher ungewöhnlich, oder?

Mit der technischen Weiterentwicklung wird so etwas eine immer häufigere Erscheinung, Übersetzer können das Buch in einer elektronischen Form viel früher erhalten. Das passiert eher bei Bestsellern wie »Harry Potter«, wo Buchpremieren weltweit gleichzeitig gefeiert werden, aber so etwas ähnelt einer Hysterie, bei der die kommerziellen Aspekte Vorrang haben. In meinem Fall geht es um echtes Interesse an einem Autor und an anspruchsvoller Literatur. Ich habe gezielt Information gesucht, und wenn das Buch gut gelungen ist, dann ist das eine ganz gewöhnliche Entscheidung.

Wie ist nun das Prozedere? Wann beginnen Sie mit der Übersetzung und wann wird das Buch voraussichtlich in Bulgarien erscheinen?

Ich habe mit der Übersetzung angefangen, aber das ist im Prinzip ein längerer Prozess. Wahrscheinlich werde ich im Sommer schon fertig, aber INDIGO wird bestimmt erst im Herbst, vermutlich eher Ende September erscheinen.

Gibt es schon Überlegungen zur Gestaltung des Buches, wird diese ähnlich aufwendig sein wie die der deutschen Erstausgabe?

Die Buchgestaltung verdient auch ein Lobwort, eine wirklich schöne und erlesene Arbeit, die INDIGO eine unverkennbare Identität gibt. Ich würde die deutsche Gestaltung gern auch für die bulgarische Ausgabe übernehmen. Eine ganz andere Strategie als beim Erzählband übrigens, wo ich nicht nur die Gestaltung, sondern auch den Titel geändert habe. Für die bulgarische Ausgabe habe ich in Absprache mit dem Autor und dem Verlag den Titel einer anderen Erzählung gewählt – »Riesenrad«, weil das für das bulgarische Publikum bedeutungsvoller und klarer erkennbar ist.

Die Literaturübersetzerin Gergana Fyrkova leitet den 2009 in Sofia gegründeten Verlag Funtasy. Im literarischen Programm des Verlags finden sich signifikante Autoren und Werke der neuen deutschen und bulgarischen Literatur.

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